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Schulprogramm

„Haus des Lernens und der Begegnung“
Martin Buber – das dialogische Prinzip in der Erziehung

In jedem Menschen ist etwas Kostbares,
das in keinem anderen ist.
“ Martin Buber

Unsere Schule ist nach dem jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber benannt. In seinen pädagogischen Schriften ist Martin Buber für die Freiheit der menschlichen Entwicklung durch die zwischenmenschliche Begegnung und Kommunikation eingetreten.

Kern seiner Betrachtung waren die „Elemente des Zwischenmenschlichen“ in seinem Werk „Das dialogische Prinzip“ (Buber, 1994), die er für eine philosophische Anthropologie (Lehre vom Menschen) zu Grunde legt und in dem er seine Grundgedanken über das Verhältnis des Menschen zu seiner Welt entfaltet.

Martin Buber erfasst mit seiner Philosophie des Dialogischen Prinzips die Lebenswirklichkeit („Wirklichkeit des Lebens“) jenseits aller Parteien, Religionen und Weltanschauungen und bietet eine Basis für menschliches Leben in verantworteter Gemeinschaft. Sein dialogisches Prinzip stellt eine ganzheitliche Weltsicht dar.

Martin Buber spricht in seinem philosophischen Hauptwerk „Ich und Du“ von den zwei Wortpaaren Ich – Du und Ich – Es. Es sind die beiden möglichen Haltungen des Menschen in der Welt:

Das Ich begegnet einem Menschen und ist nur an Informationen über ihn interessiert; dann wird der andere ein „ES“ - ein Objekt- bleiben; er gehört dann zur Welt des Gebrauchens, des Erfahrens, des Nutzens. In dieser Welt wird gearbeitet, verhandelt, beeinflusst, unter-nommen, organisiert, erfahren. Es ist die Welt des Buberschen Wortpaares Ich – Es, die Welt als Erfahrung.

Das Ich kann aber auch mit dem anderen Menschen in Beziehung treten, ihm ohne Vorbehalte begegnen und ihn in seinem Menschsein achten – in dem anderen das DU sehen. Das Wortpaar Ich – Du meint die Welt der Beziehung, des Dialogs, der Teilnahme, der Gemeinschaft und des Menschlichen. Das begegnende DU ist jedem Menschen zu jeder Zeit und mit jedem Sein möglich.

Bubers Betrachtungen über die zwischenmenschliche Begegnung beeinflussten Geistes-wissenschaften, Soziologie und Erziehungswissenschaften. Für die Pädagogik ist vor allem seine Sichtweise der Beziehung zwischen Lehrer und Schüler maßgeblich. Mit seiner These „Das erzieherische Verhältnis ist ein rein dialogisches“ (Buber 1995, 40) begründet Martin Buber das von Verantwortung und Vertrauen getragene Verhältnis vom Pädagogen zum Schüler. Jenseits von autoritären Dogmen ist das erzieherische Verhältnis der Freiheit der menschlichen Entwicklung durch persönliche Begegnungen, die den Charakter des Kindes prägen können, verpflichtet.

Pädagogisch fruchtbar ist nicht die pädagogische Absicht, sondern die pädagogische Begegnung.“ (Buber 1995,71)

Ich habe keine Lehre, aber ich führe ein Gespräch.“ Martin BuberDie Auseinandersetzung mit Bubers Schriften vermittelt keine Lehre, sondern eine existentielle Haltung zum Leben und zur Beziehung zum Mitmenschen. Martin Bubers philosophische Weltsicht bietet in Verbindung mit seinen Aussagen in „Reden über Erziehung“ die Basis für die pädagogische Arbeit in unserer Schule.

Buber sieht im Menschen eine grundsätzlich positive Bestimmung. Diese kann nur dann gefördert werden, wenn der Erzieher, den er „Brückenbauer“ nennt, eine „echte Beziehung“ zum Kind aufbaut, wenn er sich ihm zuwendet und sich ihm öffnet, wenn er es als Person akzeptiert und für das Kind da ist.

Für uns als Lehrer und Erziehende sehen wir darin den Anspruch und den Ansporn, uns immer wieder unserer Aufgabe zu stellen und in einer Atmosphäre des Vertrauens dem Kind zu begegnen und ihm auf dem Weg in ein selbstständiges verantwortetes Leben in der Gemeinschaft „Brücken zu bauen“.
Mit Entscheidung für Martin Buber als Namensträger der Schule treten wir dafür ein, unser pädagogisches Handeln aus der Annäherung des „Ichs zum Du“ abzuleiten, die menschliche Begegnung als Grundlage des pädagogischen Wirkens zu verstehen und „das Andere“ grundsätzlich zu akzeptieren.

Wir begleiten das Kind auf seinem Weg des Lernens durch individuelle Unterstützung zur Erziehung seines Charakters, durch Pflege und Förderung seiner Persönlichkeit. Orientiert an den Grundbedürfnissen des Kindes nach Geborgenheit, nach neuen Erfahrungen, nach Verantwortung, nach Lob und Anerkennung, wollen wir Stellung beziehen und Antworten auf seine Fragen geben. In der Geborgenheit verlässlicher Beziehungen kann das Kind Selbst-, Sozial- und Sachkompetenzen entwickeln, damit es das eigene Leben gestalten und an der Weiterentwicklung der Gesellschaft verantwortlich handelnd mitwirken kann.

Denn der echte Erzieher hat nicht bloß einzelne Funktionen seines Zöglings im Auge, wie der, der ihm lediglich bestimmte Kenntnisse und Fertigkeiten beizubringen beabsichtigt, sondern es ist ihm jedes Mal um den ganzen Menschen zu tun, und zwar um den ganzen Menschen in seiner gegenwärtigen Tatsächlichkeit nach, in der er vor dir lebt, als auch seiner Möglichkeit nach, was aus ihm werden kann.“ (Buber 1995,65)

Literatur: Buber, Martin: Das dialogische Prinzip 1994 (7)
Buber, Martin: Reden über Erziehung 1995 (8)
Ventur, Birgit: Martin Bubers pädagogisches Handeln und Denken 2003